14.12.2009 Erneut Wolf auf Bundesstraße 156 überfahren
Auf der Bundesstraße 156 in der Lausitz ist in diesem Jahr der vierte Wolf überfahren worden.
Weißwasser. Das Tier sei am Sonntag vom Wagen einer 42 Jahre alten Fahrerin erfasst und getötet worden, teilte die Polizei am Montag in Görlitz mit. Das in der Gegend lebende Nochtener Rudel habe damit in diesem Jahr „einen ziemlichen Aderlass“ gehabt, sagte die Biologin Ilka Reinhardt vom wildbiologischen Büro Lupus in Spreewitz (Landkreis Bautzen). Neben den vier auf der Straße getöteten Wölfen wurde 2009 einer von einem Zug überfahren und ein weiterer illegal geschossen. Nun soll unter anderem mit Tunnels und Wildzäunen gezielt gegengesteuert werden.
„Das Rudel ist ein Sonderfall. Die Bundesstraße geht mitten durch sein Kerngebiet“, erklärte Reinhardt. Das Nochtener Areal sei unter anderem wichtig für die Aufzucht der Welpen. Alle dort in diesem Jahr getöteten Tiere seien Welpen von 2009 oder 2008 gewesen, fügte sie hinzu. Andere Rudel seien von solchen Unfällen wenig bis gar nicht betroffen. In der Lausitz leben auf sächsischem und brandenburgischem Territorium sechs Wolfsrudel und ein kinderloses Wolfspaar. Schätzungen gehen von etwa 40 bis 45 Tieren allein in Sachsen aus. Es ist die größte Wolfspopulation Deutschlands.
An der B 156 sollen nun Schutzmaßnahmen ergriffen werden. „Den größten Nutzen versprechen wir uns vom Aufstellen von Wildzäunen und speziellen Tunnels“, sagte der Sprecher des Umweltministeriums, Andreas Kunze. Auch die Verbreiterung der Schneisen zwischen Wald und Straße werde erwogen, damit die Autofahrer die Tiere eher sehen. Kunze verwies ferner auf ein Testprojekt in Brandenburg, wo das Wild über Bewegungsmelder Blinklichter auslöst, die den Fahrern die Gefahr signalisieren. Im kommenden Jahr sollen erste Vorhaben umgesetzt werden, über eine eventuelle finanzielle Förderung werde beraten.
„Wir sehen dringenden Handlungsbedarf“, sagte Kunze. *Dabei gehe es aber nicht nur um die Wölfe. Fast jeder fünfte Unfall im dortigen Landkreis Görlitz sei ein Wildunfall. Allein auf dem zwölf Kilometer langen Teilstück der B 156 zwischen Weißwasser und Boxberg gab es von 2004 bis einschließlich September 2009 einer Erhebung zufolge 150 Unfälle mit Wild. *
Reinhardt sprach trotzdem von einem positiven Trend bei der Ansiedlung der Wölfe. Auch die sogenannte Hybridisierung sei wegen der wachsenden Zahl der Wolfsfamilien kein Problem mehr, sagte sie. Vor etwa sechs Jahren wurden Befürchtungen laut, dass bei der Fortpflanzung der Wölfe auch freilaufende Hunde eine Rolle spielen könnten. Das sei nicht mehr der Fall, bilanzierte Reinhardt. Sie verwies zudem auf die Entwicklung in Sachsen-Anhalt. Nachdem der Rüde eines Wolfspaares im Jerichower Land im Sommer bei einer Jagd illegal getötet worden war, habe die Wölfin die Welpen offenbar erfolgreich allein aufgezogen.
Quelle: Sächsische Zeitung